· aktualisiert · Luisa Schröder · KI im Unterricht · 9 Minuten Lesezeit
Klausuren korrigieren mit KI: 5 Wege und fertige Prompts
Klausuren mit KI korrigieren: wo KI bei Erwartungshorizont, Feedback und Fehleranalyse hilft. Mit 5 Prompts und Datenschutz-Checkliste.

Ein Stapel Klausuren am Wochenende, dazu Klassenarbeiten aus zwei weiteren Lerngruppen: Ob man Klausuren mit KI korrigieren kann, gehört zu den Fragen, die wir in Fortbildungen am häufigsten hören. Die kurze Antwort: Ja, KI kann dich bei der Korrektur entlasten, und zwar bei der ganzen Arbeit rund um die Bewertung. Erwartungshorizont entwerfen, Feedback formulieren, typische Fehler einer Lerngruppe sichtbar machen: Das alles erledigst du mit KI schneller. Die Note selbst vergibst weiterhin du.
Dieser Beitrag zeigt dir, wofür KI bei der Korrektur 2026 gut funktioniert, gibt dir fünf Prompts zum direkten Ausprobieren an die Hand und erklärt, welche Werkzeuge für Schulen in Frage kommen und worauf du beim Datenschutz achtest.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Vorgaben deines Bundeslandes und deines Schulträgers. Stand: September 2026.
Wo KI dir bei der Korrektur Arbeit abnimmt
Ein großer Teil der Korrekturarbeit ist nicht das Vergeben der Note, sondern alles drumherum. Genau dort entlastet KI. Aus unseren Fortbildungen kennen wir vor allem diese fünf Einsatzfelder:
- Erwartungshorizont und Bewertungsraster entwerfen. Du gibst die Aufgabenstellung, die Anforderungsbereiche und deine Gewichtung vor, die KI liefert einen ersten Entwurf. Den prüfst und schärfst du. Das ist reine Vorbereitung ohne Schülerdaten.
- Feedback-Formulierungen vorschlagen. Du hast die Stärken und Schwächen einer Arbeit selbst notiert und lässt daraus einen verständlichen, ermutigenden Kommentar formulieren. Die Einschätzung stammt von dir, das Ausformulieren übernimmt die KI.
- Fehlerschwerpunkte einer Lerngruppe zusammenfassen. Aus anonymisierten Auszügen oder deinen eigenen Stichpunkten entsteht ein Überblick: Welche Fehler tauchen oft auf, was sollte in der nächsten Stunde wiederholt werden?
- Gleiche Antworten gruppieren. Bei kurzen, geschlossenen Aufgaben bündelt KI gleichartige Lösungen, sodass du sie zusammen ansiehst und einheitlich bewertest. Die Punkte vergibst du.
- Aufgaben vorab prüfen. Die KMK nennt auch die Qualität und Sprachsensibilität von Prüfungsaufgaben als Chance. Lass eine KI deine Aufgabenstellung auf Mehrdeutigkeiten oder unnötig schwere Formulierungen prüfen.
Wie viel Zeit KI bei vorbereitender Arbeit spart, hat eine randomisierte Studie der Education Endowment Foundation und des NFER mit 259 Naturwissenschafts-Lehrkräften in England untersucht: Die Gruppe mit ChatGPT brauchte rund 25 Minuten pro Woche weniger für die Unterrichtsvorbereitung, ohne dass ein Expertengremium Qualitätsunterschiede bei den Materialien fand. Die Studie bezieht sich auf die Vorbereitung und passt damit gut zu Einsatzfeldern wie Erwartungshorizont und Aufgabenprüfung, nicht zum Bewerten selbst.
Klausuren mit KI korrigieren: der rechtliche Rahmen in drei Punkten
Damit du KI bei der Korrektur mit gutem Gewissen einsetzt, lohnt ein Blick auf den Rahmen. Er ist klarer, als viele denken.
1. Die Bewertung ist Aufgabe der Lehrkraft. Die Kultusministerkonferenz schreibt in ihrer Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI vom 10.10.2024 wörtlich: „Leistungsbewertung ist und bleibt eine pädagogische und hoheitliche Aufgabe, die als Verwaltungsakt im schulischen Kontext ausschließlich von Lehrkräften erfüllt werden kann.” Im selben Absatz heißt es: „Die abschließende Leistungsbewertung bleibt den Prüfenden vorbehalten.” Gleichzeitig nennt die KMK ausdrücklich Unterstützungspotenziale, etwa Vorkorrektur, Korrekturassistenz und Feedback.
2. Keine Note allein durch eine Maschine. Nach Art. 22 Abs. 1 DSGVO hat jede Person das Recht, keiner ausschließlich automatisierten Entscheidung unterworfen zu werden, die ihr gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigt. Eine Note in einer Klausur ist so eine Entscheidung. Die KMK leitet daraus ab, dass immer eine menschliche Letztentscheidung gewährleistet sein muss.
3. Bewertungs-KI gilt als Hochrisiko-System. Die EU-KI-Verordnung (AI Act) stuft in Anhang III Nr. 3 Buchstabe b KI-Systeme, die bestimmungsgemäß Lernergebnisse bewerten sollen, als Hochrisiko-KI ein. Die strengen Anforderungen an Anbieter und Betreiber solcher Systeme gelten nach der Omnibus-Verordnung vom Juli 2026 ab dem 2. Dezember 2027. Ein frei verfügbarer Chatbot, dem du Schülertexte zur Benotung gibst, ist dafür schon heute nicht gebaut.
Für die Praxis heißt das: Du darfst KI als Hilfsmittel nutzen, solange du selbst liest, prüfst und entscheidest. Eine Note, die im Kern von einer KI stammt und nur noch abgenickt wird, ist rechtlich angreifbar.
Warum die Note bei dir besser aufgehoben ist
Neben der Rechtslage gibt es einen fachlichen Grund. Sprachmodelle klingen bei der Bewertung überzeugend, liegen aber nicht verlässlich richtig. Dieselbe Arbeit kann bei zwei Durchläufen unterschiedlich eingeschätzt werden, und Modelle übernehmen Verzerrungen aus ihren Trainingsdaten. Die KMK nennt in der oben verlinkten Empfehlung genau diese Punkte als Herausforderungen: fehlende Transparenz, fehlende Nachvollziehbarkeit und die Gefahr von Diskriminierung durch Bias.
Wie ernst das ist, zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Der Anbieter fobizz hat seine KI-Korrekturhilfe und sein KI-Feedback-Tool im August 2026 abgeschaltet. In der Einordnung von fobizz heißt es: „Trotz anderthalb Jahren intensiver Weiterentwicklung liefern LLMs bei der Bewertung von Texten keine ausreichend zuverlässigen Ergebnisse.” Das ist bemerkenswert, weil es von einem Anbieter kommt, der mit dem Werkzeug Geld verdient hat.
Die Behauptung, KI bewerte „objektiver” als Menschen, lässt sich also nicht halten. Sie ersetzt deine subjektiven Einflüsse durch andere, die schwerer zu erkennen sind. Ihre Stärken spielt KI dort aus, wo sie dir zuarbeitet: bei den fünf Einsatzfeldern oben.
Datenschutz-Checkliste für die KI-Korrektur
Schülerarbeiten sind personenbezogene Daten. Das gilt nicht nur für den Namen auf dem Deckblatt, sondern oft auch für den Inhalt: Ein Erörterungstext über die eigene Familie, ein Bewerbungsschreiben im Deutschunterricht oder eine Handschrift auf einem Scan können Rückschlüsse auf eine Person zulassen. Bevor du Schülertexte in ein KI-Werkzeug gibst, geh diese Punkte durch:
- Ist das Werkzeug an deiner Schule freigegeben? Nutze nur Dienste, die dein Land oder dein Schulträger bereitstellt oder ausdrücklich erlaubt. Private Konten bei kommerziellen Chatbots sind für Schülerdaten tabu.
- Gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV)? Den schließt in der Regel die Schulleitung oder der Träger ab, nicht die einzelne Lehrkraft.
- Wo stehen die Server, und wird mit deinen Eingaben trainiert? Achte auf Verarbeitung in der EU und darauf, dass Eingaben nicht zum Training der Modelle verwendet werden.
- Hast du konsequent anonymisiert? Namen, Kürzel, Klasse, Schule, Orte und persönliche Details entfernen. Keine Scans mit Handschrift oder Unterschrift hochladen.
- Brauchst du wirklich den ganzen Text? Oft reichen einzelne Absätze oder deine eigenen Notizen zu den Fehlern.
- Bleibt die Entscheidung dokumentiert bei dir? Dein Korrekturvermerk und deine Begründung der Note müssen ohne KI nachvollziehbar sein.
- Kennst du die Regeln deiner Schule? Wenn es eine KI-Richtlinie gibt, gilt sie. Wenn nicht, ist das ein guter Anlass, eine zu erarbeiten.
Ausführlicher gehen wir auf die Grundlagen in unserem Leitfaden zu KI und Datenschutz an Schulen ein. Wie eine Schule verbindliche Regeln aufstellt, beschreibt der Beitrag KI-Richtlinie für die Schule erstellen.
Welche KI-Werkzeuge Lehrkräfte für die Korrektur nutzen können
Bei der Korrektur zählt vor allem eines: Das Werkzeug muss für den Einsatz mit Schülertexten an deiner Schule freigegeben sein. Der beste Startpunkt sind deshalb die Angebote der Länder.
AIS.chat: der Landeszugang (früher „telli”)
Der erste Blick sollte dem Angebot deines Bundeslandes gelten. AIS.chat ist der ländergemeinsame KI-Chatbot für Schulen, betrieben über das FWU, das Medieninstitut der Länder. Bis Mai 2026 hieß er „telli” und wurde laut Meldung des Schulministeriums NRW vom 18.05.2026 aus markenrechtlichen Gründen umbenannt; Funktionen und Nutzerdaten blieben erhalten.
Laut Übersicht des Deutschen Schulportals nutzen unter anderem Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen den Dienst; in Sachsen ist die Einführung für 2026 geplant.
Zum Datenschutz schreibt die NRW-Seite zum Zugang: Eingaben werden nicht zum Training der angebundenen Sprachmodelle verwendet, Daten werden nicht an Dritte oder Hersteller weitergegeben, alle Modelle laufen ausschließlich in der EU, und die Anmeldung erfolgt pseudonymisiert über den Vermittlungsdienst VIDIS. In NRW registriert die Schulleitung die Schule und stimmt dem AVV zu. Vor der ersten Nutzung absolvieren Lehrkräfte dort einen verpflichtenden Selbstlernkurs. Die Einzelheiten unterscheiden sich je nach Land.
Auch mit AIS.chat gilt: Anonymisiere Schülertexte, und nutze den Chatbot als Assistenz für die Schritte oben, nicht als Notengeber.
Landesspezifische Angebote
Einige Länder stellen zusätzlich eigene Werkzeuge bereit. Das Deutsche Schulportal nennt in der oben verlinkten Übersicht etwa F13 in Baden-Württemberg, ByLKI in Bayern und emuKI in Sachsen-Anhalt sowie Landeslizenzen für kommerzielle Plattformen in einzelnen Ländern. Frag beim Medienzentrum oder deiner Schulleitung nach, was bei dir freigegeben ist.
Und Gradescope oder „Humanizer”-Tools?
Gradescope von Turnitin wird oft genannt, richtet sich aber an Hochschulen, und die KI-gestützte Bewertung gibt es nur im Institutional-Tarif; für deutsche Schulen ist es kaum praktikabel. „AI Humanizer”-Werkzeuge formulieren KI-Texte um und sind keine Korrekturhilfe, sondern tauchen eher als Problem in Schülerarbeiten auf.
Beispiel-Prompts für anonymisierte Texte
Die folgenden Prompts funktionieren in AIS.chat und anderen Chatbots. Setze nur anonymisierte Auszüge oder deine eigenen Notizen ein. Mehr zum Aufbau guter Prompts findest du im Beitrag Prompt Engineering für Lehrkräfte.
1. Erwartungshorizont entwerfen
Ich unterrichte Deutsch in einer 9. Klasse am Gymnasium. Die Klassenarbeit ist eine textgebundene Erörterung zur Frage „Sollten Smartphones im Unterricht erlaubt sein?”. Erstelle einen Erwartungshorizont mit inhaltlichen und sprachlichen Kriterien, gegliedert nach Anforderungsbereich I bis III. Gewichtung: Inhalt 60 %, Darstellung 40 %. Formuliere die Kriterien so, dass ich sie abhaken kann.
2. Feedback aus eigenen Notizen formulieren
Formuliere aus meinen Stichpunkten ein Feedback für einen Schüler der 8. Klasse. Ton: wertschätzend und konkret, sprich den Schüler mit „du” an. Maximal 80 Wörter, zuerst eine Stärke, dann zwei konkrete Tipps. Stichpunkte: These klar formuliert; Argumente ohne Beispiele; Schluss fehlt; Kommasetzung bei Nebensätzen unsicher.
3. Fehlerschwerpunkte einer Lerngruppe
Hier sind anonymisierte Auszüge aus 12 Englisch-Texten einer 10. Klasse (Text A bis L). Fasse zusammen, welche grammatischen Fehler mehrfach vorkommen, sortiert nach Häufigkeit. Nenne je Fehlertyp ein Beispiel aus den Texten und schlage eine kurze Übung für die nächste Stunde vor. Bewerte die einzelnen Texte nicht.
4. Gleichartige Antworten bündeln
Unten stehen anonymisierte Antworten auf die Frage „Warum dehnt sich Wasser beim Gefrieren aus?” (Antwort 1 bis 25). Gruppiere die Antworten nach dem zugrunde liegenden Erklärungsansatz und nenne für jede Gruppe die Nummern. Vergib keine Punkte und keine Noten.
5. Aufgabenstellung prüfen
Prüfe diese Aufgabenstellung für eine Mathematikarbeit in Klasse 7 auf mehrdeutige Formulierungen, unnötig schwere Sprache und fehlende Angaben. Mache Vorschläge, ohne den mathematischen Kern zu verändern.
Der Hinweis „Bewerte nicht” in den Prompts 3 und 4 ist Absicht. Er hält die KI bei der Aufgabe, bei der sie hilft, und verhindert, dass du Noten vorgeschlagen bekommst, die du dann unbewusst übernimmst.
Was das für deine Schule bedeutet
Einzelne Lehrkräfte können mit den Schritten oben sofort anfangen, sofern ein freigegebener Zugang besteht. Schwieriger wird es, sobald ein Kollegium einheitlich arbeiten will: Welche Werkzeuge sind erlaubt, wie wird anonymisiert, wie dokumentieren wir, dass die Bewertung bei der Lehrkraft liegt? Solche Fragen gehören in ein gemeinsames Vorgehen. Anregungen dazu findest du in unseren Beiträgen zum KI-Konzept für Schulen in fünf Schritten, zum Einsatz von ChatGPT im Unterricht und zur Binnendifferenzierung mit KI.
Genau dabei unterstützen wir euch. Mit educaite haben sich bereits mehr als 6.500 Lehrkräfte an über 100 Schulen zu KI fortgebildet, begleitet von über 30 Referentinnen und Referenten. In unseren schulinternen Fortbildungen zu KI arbeitet euer Kollegium in drei Gruppen, je nach Vorerfahrung: KI-Neuentdecker, KI-Explorer und KI-Innovatoren. Korrektur und Feedback üben wir dort direkt mit euren eigenen Materialien, einschließlich Anonymisierung und Datenschutz.
Du möchtest KI bei der Korrektur mit deinem Kollegium einsetzen? Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch, und wir planen gemeinsam die passende Fortbildung für eure Schule. Oder schreib uns direkt über das Kontaktformular.
Autorin / Autor

Pädagogische Leitung bei educaite. Von 2020 bis 2025 Lehrkraft in der Sekundarstufe in NRW; Studium an der Universität zu Köln (Lehramt B.A., Master Bildungswissenschaften).



