· Luisa Schröder · KI-Strategie · 3 Minuten Lesezeit
KI-Richtlinie für Ihre Schule erstellen – Leitfaden für Schulleitungen
Wie Schulleitungen eine rechtssichere KI-Richtlinie entwickeln: von der DSGVO-Konformität bis zur praktischen Umsetzung im Kollegium – mit Muster-Vorlage.

Ein Kollege nutzt ChatGPT für Klausur-Korrekturen, eine andere generiert damit Arbeitsblätter – und niemand weiß so recht, ob das eigentlich erlaubt ist. Wenn dir dieses Szenario bekannt vorkommt, wird es höchste Zeit für eine schulinterne KI-Richtlinie. Denn ohne klare Regeln entstehen Unsicherheiten, Datenschutz-Risiken und ein Flickenteppich unterschiedlicher Praktiken.
Warum deine Schule jetzt eine KI-Richtlinie braucht
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrem Positionspapier von 2024 deutlich gemacht: Schulen sollen KI aktiv in den Unterricht integrieren – aber verantwortungsvoll. Gleichzeitig stellt die DSGVO strenge Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten. Eine KI-Richtlinie schafft den Rahmen, der beides verbindet: Innovation ermöglichen und Risiken minimieren.
Ohne Richtlinie riskierst du:
- Datenschutzverstöße durch unkontrollierten Einsatz von KI-Tools
- Verunsicherung im Kollegium, weil niemand klare Orientierung hat
- Ungleichbehandlung von Schülerinnen und Schülern, je nachdem ob die Lehrkraft KI einsetzt oder nicht
- Prüfungsrechtliche Probleme, wenn KI-generierte Inhalte nicht klar geregelt sind
Die 6 Bausteine einer schulischen KI-Richtlinie
1. Geltungsbereich und Zielsetzung
Definiere klar, für wen die Richtlinie gilt (Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Verwaltung) und was sie bezweckt. Ein guter Leitsatz: „Wir nutzen KI als Werkzeug zur Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen – nicht als Ersatz für eigenständiges Denken.”
2. Zugelassene Tools und Zugangswege
Liste konkret auf, welche KI-Tools an deiner Schule genutzt werden dürfen. Dabei gilt die Ampel-Logik:
- 🟢 Grün: Datenschutzkonforme Lösungen über Landesportale (z. B. LOGINEO, Mebis, itslearning) sowie schulisch lizenzierte Tools
- 🟡 Gelb: Kommerzielle Tools wie ChatGPT mit Einschränkungen (keine personenbezogenen Daten, keine Schüler-Accounts)
- 🔴 Rot: Tools ohne Datenschutzerklärung, ohne europäischen Serverstandort oder mit unklaren Nutzungsbedingungen
Einen vertieften Überblick zur datenschutzrechtlichen Einordnung findest du in unserem Leitfaden KI und Datenschutz an Schulen.
3. Datenschutz und DSGVO-Konformität
Dieser Baustein ist das Herzstück der Richtlinie. Folgende Punkte müssen geregelt werden:
- Verbot der Eingabe personenbezogener Daten: Keine Namen, Noten, Adressen oder Fotos von Schülerinnen und Schülern in KI-Tools eingeben.
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV): Für schulisch genutzte KI-Tools muss ein AVV mit dem Anbieter bestehen.
- Einwilligungserklärungen: Bei Tools, die nicht über Landesportale bereitgestellt werden, braucht es die Einwilligung der Erziehungsberechtigten.
- Löschkonzept: Regele, wie und wann generierte Daten gelöscht werden.
4. Regeln für den Unterrichtseinsatz
Hier wird es pädagogisch konkret:
- KI-Ergebnisse müssen von Schülerinnen und Schülern immer kritisch geprüft werden.
- Die Nutzung von KI bei Prüfungen und Leistungsnachweisen muss ausdrücklich geregelt sein (erlaubt/verboten/teilweise erlaubt).
- KI-generierte Inhalte müssen als solche gekennzeichnet werden.
- Lehrkräfte begleiten den KI-Einsatz aktiv – die KI ersetzt nicht die Lehrkraft.
5. Fortbildung und Kompetenzaufbau
Eine Richtlinie ohne Qualifizierung bleibt Papier. Plane deshalb:
- Eine Einführungsveranstaltung für das gesamte Kollegium
- Regelmäßige Praxis-Workshops zu konkreten KI-Tools und Methoden
- Peer-Learning-Formate, in denen erfahrene Kolleginnen und Kollegen ihr Wissen teilen
Unsere KI-Akademie für Lehrkräfte bietet zertifizierte Fortbildungspfade, die perfekt als Grundlage für den schulinternen Kompetenzaufbau dienen.
6. Evaluation und Weiterentwicklung
KI-Technologien entwickeln sich rasant. Deine Richtlinie sollte daher:
- Mindestens jährlich überprüft werden
- Ein Feedback-System für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler enthalten
- Einen Verantwortlichen benennen (z. B. KI-Beauftragte oder Digitalteam)
Muster-Gliederung zum Sofort-Starten
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Präambel | Vision und Zielsetzung der Schule zum KI-Einsatz |
| 2. Geltungsbereich | Wer ist betroffen? Lehrkräfte, SuS, Verwaltung |
| 3. Zugelassene Tools | Ampel-System (Grün/Gelb/Rot) mit konkreten Tools |
| 4. Datenschutz | DSGVO-Regeln, AVV, Einwilligungen, Löschkonzept |
| 5. Unterrichtseinsatz | Didaktische Leitlinien, Prüfungsregeln, Kennzeichnung |
| 6. Fortbildung | Qualifizierungsplan für das Kollegium |
| 7. Evaluation | Jährliche Überprüfung, Feedback, Verantwortlichkeiten |
Der nächste Schritt
Du hast jetzt die Bausteine – aber die Umsetzung braucht Begleitung. In unseren schulinternen Fortbildungen entwickeln wir gemeinsam mit deinem Kollegium eine maßgeschneiderte KI-Richtlinie, die zu eurer Schule passt. Von der ersten Bestandsaufnahme bis zum fertigen Dokument.
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Über die Autorin
Luisa Schröder – Bildungsreferentin bei educaite – berät Schulleitungen und Steuergruppen bei der Entwicklung schulischer KI-Strategien. Mit ihrer Erfahrung aus über 50 Schulfortbildungen kennt sie die typischen Stolpersteine – und die besten Lösungswege.



