· aktualisiert · Luisa Schröder · KI-Strategie · 5 Minuten Lesezeit
KI-Konzept für Schulen: In 5 Schritten zur digitalen Strategie
Von der Vision bis zur Umsetzung: Wie Schulen in 5 Schritten ein nachhaltiges KI-Konzept entwickeln, mit Praxis-Tipps, Zeitplan und Evaluationsplan.

Einzelne Lehrkräfte experimentieren mit ChatGPT, andere lehnen KI komplett ab, und als Schulleitung suchen Sie nach einer gemeinsamen Linie. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann braucht Ihre Schule kein weiteres Tool, sondern ein KI-Konzept: einen strategischen Rahmen, der aus Einzelinitiativen ein tragfähiges Ganzes macht.
Warum ein KI-Konzept kein Luxus ist
Die digitale Entwicklung an Schulen scheitert oft weniger an fehlender Technik als an fehlender Strategie. Ein KI-Konzept beantwortet die entscheidenden Fragen:
- Wohin wollen wir? (Vision)
- Wo stehen wir heute? (Bestandsaufnahme)
- Wie kommen wir dorthin? (Maßnahmen)
- Wer ist verantwortlich? (Strukturen)
- Woran messen wir den Erfolg? (Evaluation)
Ein gemeinsamer Plan hilft, das gesamte Kollegium mitzunehmen und nicht nur die Lehrkräfte, die ohnehin gern mit neuer Technik arbeiten.
Die 5 Schritte zum schulischen KI-Konzept
Schritt 1: Bestandsaufnahme. Wo steht Ihre Schule?
Bevor Sie planen, müssen Sie wissen, wo Ihre Schule steht. Führen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme durch:
Kollegiumsbefragung (anonym, 10 Minuten):
- Wer nutzt bereits KI-Tools? Welche?
- Wo sehen Lehrkräfte Chancen, wo Bedenken?
- Welche Fortbildungswünsche bestehen?
Infrastruktur-Check:
- Welche Hard- und Software ist vorhanden?
- Ist Ihre Schule schon für den Landeszugang registriert, z. B. AIS.chat (ehemals telli) oder in Bayern die KI-Funktionen der ByCS?
- Wie ist die WLAN-Abdeckung?
Praxis-Tipp: Für die Bestandsaufnahme reicht ein kurzes Online-Formular mit etwa acht Fragen. Oft zeigt sich dabei, dass viele Lehrkräfte KI privat schon ausprobiert haben, sie im Unterricht aber kaum nutzen. Genau diese Lücke ist ein guter Ansatzpunkt für die nächsten Schritte.
Schritt 2: Vision formulieren. Was soll KI an Ihrer Schule leisten?
Eine gute KI-Vision ist konkret genug, um zu orientieren, und offen genug, um Raum für Entwicklung zu lassen. Erarbeiten Sie sie gemeinsam mit dem Kollegium, idealerweise an einem Pädagogischen Tag oder in einer Sitzung der Steuergruppe.
Beispiel-Vision: „An unserer Schule nutzen wir KI als Werkzeug, um Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung zu entlasten und Schülerinnen und Schülern individuellere Lernangebote zu ermöglichen, stets datenschutzbewusst und pädagogisch reflektiert.”
Aus der Vision leiten sich zwei bis drei strategische Ziele ab, zum Beispiel:
- Bis Ende des Schuljahres haben alle Lehrkräfte eine KI-Grundfortbildung absolviert.
- In mindestens 5 Fachschaften werden KI-Tools regelmäßig in der Unterrichtsvorbereitung genutzt.
- Eine schulinterne KI-Richtlinie ist verabschiedet und kommuniziert.
Wie Sie eine solche Richtlinie erstellen, beschreiben wir ausführlich in unserem Artikel KI-Richtlinie für Schulen erstellen.
Schritt 3: Kompetenzaufbau. Das Kollegium qualifizieren
Der wichtigste Schritt. Ohne Kompetenz im Kollegium bleibt jedes Konzept Papier. Auch die Kultusministerkonferenz widmet der Professionalisierung der Lehrkräfte in ihrer Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen vom 10.10.2024 einen eigenen Themenbereich. Dazu kommt Art. 4 der EU-KI-Verordnung: Er verpflichtet Einrichtungen, die KI einsetzen, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen. Die Regel gilt seit Februar 2025 und wurde im Juli 2026 durch die Omnibus-Verordnung angepasst, aber nicht abgeschafft. Planen Sie deshalb einen dreistufigen Qualifizierungsplan:
Stufe 1: Sensibilisierung (alle Lehrkräfte):
- Einführung in KI-Grundlagen, von 90 Minuten bis zu einem ganzen Fortbildungstag
- Live-Demo: Was kann ChatGPT, was nicht?
- Datenschutz-Basics und Handlungsregeln
Für diese Stufe ist eine SchiLf zu KI das naheliegende Format: Sie erreicht das gesamte Kollegium an einem Termin, auch die Skeptiker, die sich zu einer freiwilligen Fortbildung nicht anmelden würden. Genau daran scheitert Stufe 1 sonst.
Stufe 2: Anwendung (interessierte Lehrkräfte):
- Workshop zu Prompt Engineering und konkreten Unterrichtsszenarien
- Praxis-Übungen mit KI-Tools im eigenen Fach
- Kollegiale Hospitation und Erfahrungsaustausch
Stufe 3: Multiplikation (KI-Beauftragte / Fachschaftsleitungen):
- Vertiefung: KI in der Binnendifferenzierung und bei der Korrektur
- Train-the-Trainer: Andere Lehrkräfte schulen
- Vernetzung mit anderen Schulen
In unseren Fortbildungen für Schulen arbeiten wir mit drei Gruppen, die zu diesen Stufen passen: KI-Neuentdecker für den Einstieg, KI-Explorer für die Anwendung im eigenen Unterricht und KI-Innovatoren für Lehrkräfte, die KI an der Schule weiterentwickeln wollen. Wie das an einem Pädagogischen Tag mit rund 85 Lehrkräften aussieht, zeigt unser Bericht von der Sophie-Barat-Schule.
Schritt 4: Strukturen schaffen. Verantwortlichkeiten klären
Ein KI-Konzept braucht Verantwortliche, die es am Leben halten:
- KI-Beauftragte/r: Ein bis zwei Lehrkräfte, die als Ansprechpartner dienen, neue Tools evaluieren und den Überblick behalten.
- Steuergruppe Digitalisierung: Bindet das KI-Konzept in die übergreifende Digitalisierungsstrategie ein.
- Fachschafts-Verantwortliche: In jeder Fachschaft gibt es eine Person, die fachspezifische KI-Anwendungen sammelt und teilt.
Praxis-Tipp: Richten Sie eine „KI-Sprechstunde” ein, zum Beispiel einmal pro Woche für 30 Minuten in der Mittagspause. Kolleginnen und Kollegen können dort Fragen stellen, Tools ausprobieren oder Erfahrungen teilen. Das Format ist niedrigschwellig und braucht kaum Vorbereitung.
Schritt 5: Evaluation. Messen, was wirkt
Ein gutes KI-Konzept ist kein statisches Dokument, sondern ein lebendiger Prozess. Planen Sie feste Evaluations-Zeitpunkte ein, gerechnet ab dem Start der Umsetzung:
| Zeitpunkt | Maßnahme |
|---|---|
| Nach 3 Monaten | Kurzbefragung: Welche Tools werden genutzt? Wo gibt es Hürden? |
| Nach 6 Monaten | Steuergruppen-Review: Werden die Ziele erreicht? Anpassungen nötig? |
| Nach 12 Monaten | Umfassende Evaluation mit Kollegium und Schülerschaft |
| Jährlich | Aktualisierung der KI-Richtlinie und des Maßnahmenplans |
Zeitplan: Vom Start zum fertigen Konzept
| Phase | Zeitraum | Aufgaben |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Monat 1-2 | Bestandsaufnahme, Steuergruppe bilden |
| Entwicklung | Monat 3-4 | Vision, Ziele, Richtlinie erarbeiten |
| Qualifizierung | Monat 4-8 | Fortbildungsprogramm durchführen |
| Umsetzung | Monat 6-12 | KI im Unterricht, Strukturen etablieren |
| Evaluation | Ab Monat 9 | Kurzbefragung, Review, Anpassungen, Verstetigung |
Starten Sie jetzt, gern mit Begleitung
Die Entwicklung eines KI-Konzepts ist ein Schulentwicklungsprozess. Externe Begleitung hilft, blinde Flecken zu erkennen und das Tempo zu halten.
Wir begleiten Schulen von der Bestandsaufnahme bis zum fertigen KI-Konzept, mit schulinternen Fortbildungstagen als Kern. Dabei bringen wir die pädagogische Expertise, die technische Kompetenz und die Erfahrung aus Fortbildungen mit mehr als 6.500 Lehrkräften an über 100 Schulen mit. Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch, und wir besprechen, wo Ihre Schule steht und wie der nächste Schritt aussieht.
Autorin / Autor

Pädagogische Leitung bei educaite. Von 2020 bis 2025 Lehrkraft in der Sekundarstufe in NRW; Studium an der Universität zu Köln (Lehramt B.A., Master Bildungswissenschaften).



