· aktualisiert · Luisa Schröder · KI im Unterricht · 6 Minuten Lesezeit
ChatGPT im Unterricht: Leitfaden mit 10 Prompts für Lehrkräfte
ChatGPT sinnvoll im Unterricht nutzen: konkrete Unterrichtsbeispiele, 10 fertige Prompts und die wichtigsten Datenschutzregeln für den Schulalltag.

„Darf ich ChatGPT im Unterricht überhaupt benutzen?” Die Antwort: Ja, wenn du ein paar klare Regeln beachtest und die Vorgaben deines Bundeslandes kennst. Deine Unterrichtsvorbereitung ohne Schülerdaten ist der einfachste Einstieg. Sollen deine Schülerinnen und Schüler selbst mit KI arbeiten, gelten strengere Regeln, dazu unten mehr. Und es lohnt sich: Deine Lernenden wachsen in eine Welt hinein, in der KI längst Alltag ist. Die Kultusministerkonferenz setzt in ihrer Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen vom 10.10.2024 auf einen kritisch-konstruktiven Umgang. Wie ein sinnvoller Einsatz konkret aussieht, zeigt dir dieser Leitfaden: mit drei Unterrichtsszenarien, zehn fertigen Prompts und den Datenschutzregeln, die du kennen solltest.
Was ist ChatGPT, und was kann es (nicht)?
ChatGPT ist ein sogenanntes Large Language Model (LLM), das Texte versteht und generiert. Es kann Zusammenfassungen schreiben, Fragen beantworten, Texte übersetzen und sogar Programmcode erstellen. Was es nicht kann: eigenständig denken, Fakten garantieren oder pädagogische Entscheidungen treffen. Genau deshalb brauchst du als Lehrkraft die Kompetenz, das Tool kritisch und gezielt einzusetzen.
Neben ChatGPT gibt es weitere KI-Assistenten wie Googles Gemini, Anthropics Claude oder Microsoft Copilot. Die Grundprinzipien, die du in diesem Artikel lernst, gelten für alle diese Werkzeuge.
Drei konkrete Einsatzszenarien für den Unterricht
Drei typische Szenarien aus dem Schulalltag:
1. Textanalyse und kreatives Schreiben (Deutsch, Fremdsprachen)
Ein Beispiel: Eine Deutschlehrerin an einer Gesamtschule lässt ihre Klasse 9 über den Schulzugang AIS.chat einen Zeitungsartikel zusammenfassen und die Zusammenfassung anschließend kritisch mit dem Original vergleichen. Die Schülerinnen und Schüler entdecken dabei nicht nur Stärken der KI, sondern auch typische Schwächen wie fehlende Nuancen oder falsche Gewichtungen.
Prompt 1: „Fasse den folgenden Zeitungsartikel in 5 Sätzen zusammen. Behalte den sachlichen Stil bei und nenne die wichtigsten Fakten: [Artikel einfügen]“
2. Differenzierte Aufgabenstellung (alle Fächer)
Ein Mathelehrer am Gymnasium nutzt ChatGPT, um Übungsaufgaben in drei Schwierigkeitsstufen zu erstellen. Er gibt der KI den Themenbereich vor und erhält Entwürfe für leistungsstarke, mittlere und förderbedürftige Schülerinnen und Schüler, die er in wenigen Minuten an seine Klasse anpasst.
Prompt 2: „Erstelle jeweils 3 Übungsaufgaben zum Thema Prozentrechnung für Klasse 7. Stufe 1: Grundverständnis. Stufe 2: Anwendung in Alltagssituationen. Stufe 3: komplexe Transferaufgaben.”
3. Feedback und Überarbeitung (Projektarbeit)
Eine Oberstufenlehrerin lässt ihre Schülerinnen und Schüler eigene Texte über den Schulzugang AIS.chat überprüfen, bevor sie diese einreichen. Die KI gibt konstruktives Feedback zu Argumentation, Struktur und Sprachstil. Die Bewertung bleibt bei der Lehrkraft.
Wichtig: Die Lernenden nutzen dafür den Landeszugang, für den die Lehrkraft sie pseudonym freischaltet, keine privaten ChatGPT-Konten.
Prompt 3: „Gib mir konstruktives Feedback zu folgendem Aufsatz. Bewerte Argumentation, Textstruktur und sprachliche Qualität. Nenne 3 konkrete Verbesserungsvorschläge: [Text einfügen]“
Sieben weitere Prompts für den Schulalltag
Die drei Szenarien oben zeigen das Prinzip. Diese sieben Prompts decken die Aufgaben ab, die erfahrungsgemäß am meisten Zeit kosten. Kopieren, die Platzhalter in eckigen Klammern ersetzen, fertig. Und denk an die Regel aus dem nächsten Abschnitt: keine echten Namen, keine Noten, keine personenbezogenen Daten.
Prompt 4 (Stundeneinstieg): „Entwickle drei Einstiege für eine Unterrichtsstunde zum Thema [Thema] in Klasse [Stufe]. Einstieg 1 über eine provokante These, Einstieg 2 über ein Alltagsbeispiel, Einstieg 3 über eine Bildbeschreibung. Je maximal 4 Sätze, direkt vorlesbar.”
Prompt 5 (Elternbrief): „Formuliere einen Elternbrief zur Ankündigung von [Anlass]. Sachlich, freundlich, maximal 200 Wörter. Struktur: Anlass, Ablauf, was Eltern tun müssen, Rückmeldefrist. Keine Abkürzungen, keine Schulverwaltungssprache.”
Prompt 6 (Erwartungshorizont): „Erstelle einen Erwartungshorizont zu folgender Aufgabenstellung: [Aufgabe einfügen]. Gib pro Anforderungsbereich (I, II, III) an, was eine gute und was eine ausreichende Leistung zeigt. Als Tabelle mit Punktevorschlag.”
Prompt 7 (Vertretungsstunde): „Plane eine Vertretungsstunde für Klasse [Stufe] im Fach [Fach], die ohne Vorbereitung und ohne Material funktioniert. 45 Minuten, mit Zeitangaben je Phase, Tafelbild-Vorschlag und einer Reserveaufgabe für schnelle Lernende.”
Prompt 8 (Reflexionsbogen): „Erstelle einen Reflexionsbogen für Schülerinnen und Schüler nach einer Gruppenarbeit zum Thema [Thema], Klasse [Stufe]. Sechs Fragen, in Ich-Form, mit einer vierstufigen Skala. Eine Frage soll sich auf die eigene Rolle in der Gruppe beziehen.”
Prompt 9 (Versuchsanleitung): „Schreibe eine Versuchsanleitung für [Versuch] für Klasse [Stufe]. Gliederung: Material, Sicherheitshinweise, Durchführung in nummerierten Schritten, Beobachtungsauftrag, Auswertungsfrage. Sicherheitshinweise zuerst und optisch hervorgehoben.”
Prompt 10 (Einfache Sprache): „Übertrage den folgenden Text in einfache Sprache für Lernende mit Sprachförderbedarf: [Text einfügen]. Kurze Hauptsätze, keine Nebensatzketten, Fachbegriffe beibehalten, aber beim ersten Vorkommen in Klammern erklären.”
Datenschutz: Was du beachten musst
Der Datenschutz ist beim Einsatz von ChatGPT im Unterricht ein zentrales Thema. Hier die wichtigsten Regeln:
- Keine personenbezogenen Daten eingeben: Weder Namen von Schülerinnen und Schülern noch Noten oder Beurteilungen gehören in ein KI-Tool.
- Schulische Zugänge nutzen: Die meisten Bundesländer stellen inzwischen den ländergemeinsamen KI-Chatbot AIS.chat (ehemals telli) bereit, unter anderem Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen (Überblick beim Deutschen Schulportal). Die Schulleitung registriert die Schule und schließt den Auftragsverarbeitungsvertrag ab, danach kannst du Lernende pseudonym freischalten. In NRW steht AIS.chat öffentlichen Schulen und Ersatzschulen seit dem 05.12.2025 über nrw.ais.schule zur Verfügung; vor der ersten Nutzung absolvieren Lehrkräfte einen verpflichtenden Selbstlernkurs (Zugang in NRW).
- Transparenz schaffen: Informiere Eltern und Schulleitung darüber, dass und wie KI-Tools im Unterricht eingesetzt werden.
- Altersgrenzen beachten: Hier greifen zwei verschiedene Regeln. Laut den Nutzungsbedingungen von OpenAI ist ChatGPT erst ab 13 Jahren erlaubt, unter 18 Jahren nur mit Erlaubnis der Eltern. Unabhängig davon verlangt Art. 8 DSGVO bei Online-Diensten, die sich auf eine Einwilligung stützen, unter 16 Jahren die Zustimmung der Erziehungsberechtigten; Deutschland hat diese Grenze nicht abgesenkt. Für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern ist der Schulzugang deshalb die bessere Wahl.
Dieser Abschnitt dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Vorgaben deines Bundeslandes und deines Schulträgers. Stand: September 2026.
Einen ausführlichen Leitfaden zum Thema Datenschutz findest du in unserem Artikel KI und Datenschutz an Schulen.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- ChatGPT als Wahrheitsmaschine behandeln: LLMs können „halluzinieren”, also überzeugend klingende, aber falsche Informationen generieren. Baue Faktencheck als festen Bestandteil in deinen Unterricht ein.
- Keine klare Aufgabenstellung geben: Je präziser dein Prompt, desto besser das Ergebnis. Vage Anweisungen führen zu vagen Antworten.
- Den Lernprozess ersetzen statt begleiten: ChatGPT soll Schülerinnen und Schüler beim Denken unterstützen, nicht das Denken abnehmen.
So startest du: Dein 3-Schritte-Plan
- Ausprobieren: Teste ChatGPT zunächst für deine eigene Unterrichtsvorbereitung, etwa um Arbeitsblätter zu erstellen oder Stunden zu planen.
- Reflektieren: Überlege, welche Szenarien für dein Fach und deine Lerngruppe sinnvoll sind.
- Einführen: Starte mit einer kleinen, begleiteten Übung im Unterricht und reflektiere die Erfahrung gemeinsam mit deiner Klasse.
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Autorin / Autor

Pädagogische Leitung bei educaite. Von 2020 bis 2025 Lehrkraft in der Sekundarstufe in NRW; Studium an der Universität zu Köln (Lehramt B.A., Master Bildungswissenschaften).



