· Luisa Schröder · KI im Unterricht · 4 Minuten Lesezeit
ChatGPT im Unterricht einsetzen – Ein Leitfaden für Lehrkräfte
Wie du ChatGPT sinnvoll im Unterricht einsetzt: konkrete Beispiele, bewährte Prompts und wichtige Datenschutz-Regeln für den Schulalltag.

„Darf ich ChatGPT im Unterricht überhaupt benutzen?” – Diese Frage hören wir in fast jeder Fortbildung. Die ehrliche Antwort: Ja, du darfst. Und mehr noch – du solltest es sogar tun, wenn du deine Schülerinnen und Schüler auf eine Welt vorbereiten willst, in der KI längst Alltag ist. Aber wie genau sieht ein sinnvoller Einsatz aus? Dieser Leitfaden zeigt dir konkrete Wege.
Was ist ChatGPT – und was kann es (nicht)?
ChatGPT ist ein sogenanntes Large Language Model (LLM), das Texte versteht und generiert. Es kann Zusammenfassungen schreiben, Fragen beantworten, Texte übersetzen und sogar Programmcode erstellen. Was es nicht kann: eigenständig denken, Fakten garantieren oder pädagogische Entscheidungen treffen. Genau deshalb brauchst du als Lehrkraft die Kompetenz, das Tool kritisch und gezielt einzusetzen.
Neben ChatGPT gibt es weitere LLMs wie Googles Gemini, Anthropics Claude oder Microsofts Copilot. Die Grundprinzipien, die du in diesem Artikel lernst, gelten für alle diese Modelle.
Drei konkrete Einsatzszenarien für den Unterricht
1. Textanalyse und kreatives Schreiben (Deutsch, Fremdsprachen)
Frau Müller, Deutschlehrerin an einer Gesamtschule, lässt ihre Klasse 9a einen Zeitungsartikel von ChatGPT zusammenfassen – und anschließend die Zusammenfassung kritisch mit dem Original vergleichen. Die Schülerinnen und Schüler entdecken dabei nicht nur Stärken der KI, sondern auch typische Schwächen wie fehlende Nuancen oder falsche Gewichtungen.
Beispiel-Prompt: „Fasse den folgenden Zeitungsartikel in 5 Sätzen zusammen. Behalte den sachlichen Stil bei und nenne die wichtigsten Fakten: [Artikel einfügen]“
2. Differenzierte Aufgabenstellung (alle Fächer)
Herr Schmidt, Mathelehrer am Gymnasium, nutzt ChatGPT, um Übungsaufgaben in drei Schwierigkeitsstufen zu erstellen. Statt stundenlang selbst zu differenzieren, gibt er der KI den Themenbereich vor und erhält passgenaue Aufgaben für leistungsstarke, mittlere und förderbedürftige Schülerinnen und Schüler.
Beispiel-Prompt: „Erstelle jeweils 3 Übungsaufgaben zum Thema Prozentrechnung für Klasse 7. Stufe 1: Grundverständnis. Stufe 2: Anwendung in Alltagssituationen. Stufe 3: komplexe Transferaufgaben.”
3. Feedback und Überarbeitung (Projektarbeit)
In der Oberstufe lässt Frau Weber ihre Schülerinnen und Schüler eigene Texte von ChatGPT reviewen, bevor sie diese einreichen. Die KI gibt konstruktives Feedback zu Argumentation, Struktur und Sprachstil – die finale Bewertung bleibt selbstverständlich bei der Lehrkraft.
Beispiel-Prompt: „Gib mir konstruktives Feedback zu folgendem Aufsatz. Bewerte Argumentation, Textstruktur und sprachliche Qualität. Nenne 3 konkrete Verbesserungsvorschläge: [Text einfügen]“
Datenschutz: Was du beachten musst
Der Datenschutz ist beim Einsatz von ChatGPT im Unterricht ein zentrales Thema. Hier die wichtigsten Regeln:
- Keine personenbezogenen Daten eingeben: Weder Namen von Schülerinnen und Schülern noch Noten oder Beurteilungen gehören in ein KI-Tool.
- Schulische Accounts nutzen: Viele Bundesländer bieten mittlerweile datenschutzkonforme KI-Zugänge über Landesportale an (z. B. über LOGINEO in NRW).
- Transparenz schaffen: Informiere Eltern und Schulleitung darüber, dass und wie KI-Tools im Unterricht eingesetzt werden.
- Altersfreigabe beachten: ChatGPT ist offiziell erst ab 13 Jahren nutzbar, in der EU gilt mit der DSGVO eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten bis 16 Jahre.
Einen ausführlichen Leitfaden zum Thema Datenschutz findest du in unserem Artikel KI und Datenschutz an Schulen.
Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
- ChatGPT als Wahrheitsmaschine behandeln: LLMs können „halluzinieren” – also überzeugend klingende, aber falsche Informationen generieren. Baue Faktencheck als festen Bestandteil in deinen Unterricht ein.
- Keine klare Aufgabenstellung geben: Je präziser dein Prompt, desto besser das Ergebnis. Vage Anweisungen führen zu vagen Antworten.
- Den Lernprozess ersetzen statt begleiten: ChatGPT soll Schülerinnen und Schüler beim Denken unterstützen – nicht das Denken abnehmen.
So startest du: Dein 3-Schritte-Plan
- Ausprobieren: Teste ChatGPT zunächst für deine eigene Unterrichtsvorbereitung – etwa um Arbeitsblätter zu erstellen oder Stunden zu planen.
- Reflektieren: Überlege, welche Szenarien für dein Fach und deine Lerngruppe sinnvoll sind.
- Einführen: Starte mit einer kleinen, begleiteten Übung im Unterricht und reflektiere die Erfahrung gemeinsam mit deiner Klasse.
Du möchtest den Einsatz von KI an deiner Schule professionell aufbauen? In unseren Fortbildungen für Schulen begleiten wir dich Schritt für Schritt – von den Grundlagen bis zum fertigen Unterrichtskonzept.
Über die Autorin
Luisa Schröder – Bildungsreferentin bei educaite – unterstützt Schulen und Lehrkräfte dabei, KI sinnvoll und datenschutzkonform in den Unterricht zu integrieren. Als ehemalige Lehrerin kennt sie die Herausforderungen des Schulalltags aus erster Hand.



