· Luisa Schröder · KI-Strategie · 6 Minuten Lesezeit
KI-Fortbildung für Lehrkräfte: 6 Fragen an jeden Anbieter
KI-Fortbildung auswählen: was Schulleitungen vorab im Kollegium klären, welche 6 Fragen sie jedem Anbieter stellen und woran sie schwache Angebote erkennen.

Angebote für KI-Fortbildungen gibt es inzwischen viele: Landesinstitute, Medienzentren, Verlage, freie Trainerinnen und Trainer, Beratungsfirmen. Auf dem Papier sehen sie oft gleich aus. Grundlagen, Tools, Praxisbeispiele, Datenschutz. Ob ein Tag im Kollegium etwas bewegt oder nach zwei Wochen vergessen ist, entscheidet sich aber an Details, die in keiner Ausschreibung stehen.
Dieser Artikel richtet sich an Schulleitungen, Fortbildungsbeauftragte und Steuergruppen, die gerade eine KI-Fortbildung planen. Wir sind selbst Anbieter und haben an über 100 Schulen mehr als 6.500 Lehrkräfte fortgebildet. Aus dieser Erfahrung wissen wir, worauf es ankommt. Die Fragen unten sind genau die, an denen wir uns selbst messen lassen. Welche Anbieter es gibt, von Landesinstituten bis zu Plattformen wie fobizz, zeigt unsere Anbieter-Übersicht.
Vor der Anfrage: drei Dinge im Kollegium klären
Die beste Fortbildung hilft wenig, wenn unklar ist, was sie leisten soll. Bevor Sie Angebote einholen, lohnt sich ein kurzer Blick nach innen.
Wo steht Ihr Kollegium? Eine kurze Umfrage reicht, etwa mit drei Antwortmöglichkeiten: “Ich habe KI noch nie genutzt”, “Ich probiere gelegentlich etwas aus”, “Ich nutze KI regelmäßig im Unterricht”. Das Ergebnis ist die wichtigste Information für jeden Anbieter. Oft sind alle drei Gruppen vertreten, und das hat Folgen für die Planung (mehr dazu unten).
Was soll danach anders sein? “Die Lehrkräfte sollen KI kennenlernen” ist als Ziel zu weich. Besser sind konkrete Ergebnisse: Das Kollegium kennt die an der Schule erlaubten Tools. Jede Fachschaft hat eine Idee für den eigenen Unterricht. Die Steuergruppe hat einen Entwurf für Regeln zum KI-Einsatz.
Was ist schon da? Gibt es bereits eine KI-Richtlinie oder ein KI-Konzept? Welche Tools stellt Ihr Bundesland oder Ihr Schulträger bereit? Ein Anbieter, der das weiß, kann an Ihren Stand anknüpfen, statt bei null anzufangen.
Sechs Fragen an jeden Anbieter
1. Wie gehen Sie mit unterschiedlichem Vorwissen um?
Das ist die wichtigste Frage. Wenn Lehrkräfte uns von KI-Fortbildungen erzählen, die sie anderswo besucht haben, hören wir vor allem eine Kritik: zu oberflächlich. Meist liegt das nicht an den Inhalten, sondern daran, dass alle im selben Raum sitzen. Wer seit einem Jahr mit KI arbeitet, braucht keine Einführung in ChatGPT. Wer noch nie einen Prompt geschrieben hat, kann mit einer Diskussion über KI-Strategien wenig anfangen.
Eine gute Antwort beschreibt, wie das Kollegium aufgeteilt wird. Unsere Antwort darauf sind drei parallele Gruppen nach Vorwissen: KI-Neuentdecker, KI-Explorer und KI-Innovatoren. So arbeitet jede Lehrkraft auf dem Niveau, das zu ihr passt, und das ganze Kollegium bildet sich am selben Tag fort. An der Sophie-Barat-Schule in Hamburg sah das bei rund 85 Lehrkräften so aus, wie Johannes Recker, damals Koordinator für Mediendidaktik, beschreibt:
„Während das Angebot in der ‚KI-Neuentdecker-Gruppe‘ eher niedrigschwellig war, beschäftigten sich die Kolleginnen und Kollegen in den anderen beiden Workshopgruppen tiefergehend mit KI-Anwendungen bzw. mit mediendidaktischen Fragen sowie systemischen Fragen der Umsetzung einer möglichen KI-Strategie an unserer Schule.“
Wenn die Antwort dagegen lautet “Wir holen alle ab”, sollten Sie nachfragen, wie genau.
2. Wer steht am Ende vor dem Kollegium?
Fragen Sie nach den konkreten Referentinnen und Referenten, nicht nur nach dem Unternehmen. Haben sie selbst unterrichtet oder schon oft mit Kollegien gearbeitet? Wer sonst vor allem in Unternehmen schult, sollte zeigen können, dass er Schule kennt. Lehrkräfte wollen wissen, was sie am Montag in der 7b anders machen können.
3. Wie viel Zeit ist zum Ausprobieren eingeplant?
Lassen Sie sich einen Ablaufplan zeigen und schauen Sie, wie viel davon Vortrag ist. Lehrkräfte lernen KI-Tools so wie ihre Schülerinnen und Schüler: indem sie selbst etwas damit machen. Ein Tag mit fünf Stunden Folien und einer Stunde Übung bleibt selten hängen.
4. Welche Tools zeigen Sie, und dürfen wir die überhaupt nutzen?
Ein Tool, das in der Fortbildung begeistert, hilft wenig, wenn es an Ihrer Schule aus Datenschutzgründen nicht eingesetzt werden darf. Ein seriöser Anbieter fragt vorab, welche Tools bei Ihnen erlaubt sind, und plant die Übungen darauf. Wenn Sie sich selbst einen Überblick verschaffen wollen, hilft unser Leitfaden zu KI und Datenschutz an Schulen.
5. Passen Sie die Inhalte an unsere Schule an?
Eine Grundschule braucht andere Beispiele als ein Berufskolleg. Fragen Sie, ob der Anbieter Schulform, Fächer und Ihre Ziele aus dem Vorgespräch einbaut, oder ob es einen festen Foliensatz gibt, der überall gleich läuft. Weil sich KI-Tools schnell verändern, sollte das Programm außerdem aktuell sein. Ein Ablauf, der vor einem Jahr entstanden ist, kann heute schon veraltet sein.
6. Was passiert nach der Fortbildung?
Ein einzelner Tag setzt einen Anfang, mehr nicht. Fragen Sie, was danach kommt: Gibt es Material zum Nachlesen? Einen Ansprechpartner für Rückfragen? Die Möglichkeit, mit einzelnen Gruppen weiterzuarbeiten? Gute Anbieter planen im Abschluss der Fortbildung mit dem Kollegium, wie es an der Schule weitergeht.
So beantworten wir die sechs Fragen
Wir legen unsere eigenen Antworten offen, damit Sie vergleichen können:
- Vorwissen: Drei parallele Gruppen (KI-Neuentdecker, KI-Explorer, KI-Innovatoren), das ganze Kollegium am selben Tag.
- Vorbereitung: Vor jeder SchiLf führen wir ein Vorgespräch. Darin klären wir den Stand des Kollegiums, Ihre Ziele, die Schulform und die Tools, die an Ihrer Schule erlaubt sind.
- Referent:innen: Vor Ihrem Kollegium stehen Referent:innen aus unserem Team von über 30 Personen.
- Anpassung: Übungen und Beispiele planen wir auf Basis des Vorgesprächs für Ihre Schulform und Ihre Fächer.
- Danach: Das Kollegium erhält Material zum Nachlesen, Sie haben einen festen Ansprechpartner für Rückfragen, und einzelne Gruppen können mit Folgeterminen weiterarbeiten.
Warnsignale
Manche Angebote sollten Sie skeptisch machen:
- Das Angebot kommt ohne jedes Vorgespräch, obwohl der Anbieter nichts über Ihre Schule weiß.
- Der Ablauf besteht fast nur aus Vorträgen.
- Es wird ein bestimmtes kostenpflichtiges Tool beworben, das die Schule danach kaufen soll.
- Datenschutz kommt nur als Folie am Ende vor, statt bei jedem gezeigten Tool.
- Niemand kann sagen, wer die Fortbildung tatsächlich hält.
Nach der Fortbildung: Hat es sich gelohnt?
Ob eine Fortbildung etwas gebracht hat, sehen Sie nicht am Feedbackbogen vom selben Nachmittag. Aussagekräftiger ist ein Blick einige Wochen später. Nutzen Lehrkräfte die gezeigten Tools im Unterricht? Hat die Steuergruppe an den Regeln weitergearbeitet? Fragen Lehrkräfte nach Vertiefung? Wenn Sie vorab konkrete Ziele festgelegt haben, können Sie genau daran messen.
Ihr nächster Schritt
Formate und Ablauf finden Sie auf unserer Seite zur SchiLf zu KI. Die Kosten nennen wir Ihnen nach einem kurzen Erstgespräch in einem schriftlichen Angebot, das Sie direkt bei Schulleitung, Schulträger oder Lehrerkonferenz vorlegen können. Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch: Darin klären wir gemeinsam, wo Ihr Kollegium steht und welches Format zu Ihrer Schule passt.
Autorin / Autor

Pädagogische Leitung bei educaite. Von 2020 bis 2025 Lehrkraft in der Sekundarstufe in NRW; Studium an der Universität zu Köln (Lehramt B.A., Master Bildungswissenschaften).



